
Die Ägypter haben einst mit pinselähnlichen Geräten gemalt,
die aussahen, als seien sie aus Palmblättern gefertigt.
Die Chinesen haben ihre Schreibkunst auch schon vor vielen
tausend Jahren entwickelt, aber mit Pinseln welcher Art?
Erst aus der Renaissance erfahren wir, von dem Italiener Cennino Cennini, wie damals die "Pennelli" aus den Haaren von Eichhörnchen, vom Reh und aus Schweineborsten gebunden wurden. In seinem schon 1437 erschienenen "Buch von der Kunst" widmete er das dreiundsechzigste Kapitel ("Wie man Pinsel fertigen muß") dem Pinsel, den sich die Maler jener Zeit - und wohl auch noch lange danach - selber binden mußten.
Dank der fleißigen Hände von tüchtigen Frauen, Pinselmacher-Gesellen und Lehrlingen, betreut von Abteilungsmeistern, entstehen in unserem Hause täglich einige tausend hochwertige Künstlerpinsel.
Besucher finden häufig Worte der Überraschung über die ruhige Atmosphäre, die sie in einer "Fabrik" nicht erwartet hätten. Es fallen Vergleiche mit Labor und Atelier - denn es herrscht oft konzentrierte Stille, unterbrochen von ein wenig Geplauder; immer wieder hört man synkopische Klopfgeräusche. Die mit dem Haarbüschel gefüllten Messingbüchsen und die marmornen Arbeitstische haben von jeher Pinselmacher angeregt, Takte zwischen Dixieland und Marschmusik anzuschlagen.
Einen ganz anderen Eindruck vermittelt unser Produktions- bereich für Synthetikpinsel im neu errichteten Betrieb an der Tillystraße.
Dort klingeln die Vibratoren, summen die Teilungsgeräte, die bis auf 1/10 Gramm genau Qualität im Kunstfaserbereich portionieren und herstellen können. Wir arbeiten mit selbst entwickelten Sondermaschinen und Vorrichtungen in elektronisch gesteuerten Abläufen, die nach jahrelangen Versuchen in unseren Werkstätten gebaut wurden.
Ich erfuhr vom Großvater,
der gern aus seinen
frühen Jahren erzählte,
daß er ausgangs
des vergangenen Jahrhunderts
als noch junger Geselle
mit seinen Arbeitskollegen
manches Privileg
der Zünfte bewusst im frühen
Industriezeitalter pflegte.
Als selbstbewusster
Pinselmacher
nahm er den Weg zur Arbeit
im Gehrock und Melone.
(Hans-Friedrich Defet)
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